Servus Walnuss  Illustration: Andreas Leitner Illustration: Andreas Leitner
X
Naturapotheke

Walnuss

Die jungen Blätter duften einfach wunderbar. Jetzt im Mai können wir das Aroma einfangen, wenn die Walnuss rötlich braun austreibt. Und auch später im Jahr erfreuen wir uns an vielen Talenten dieses bemerkenswerten Baumes.

Botanik: Die Walnuss kam vor mehr als tausend Jahren aus dem Orient zu uns. Sie fühlt sich wohl in Österreich und Süddeutschland, auch wenn sie die tiefen Temperaturen gar nicht mag. Gegen Ende Juni sind die Früchte außen grün und innen weiß. Diese „Johanninüsse“ werden um den 24. Juni geerntet und für Ansätze oder zum Fermentieren verwendet.

Geschichte: Karl der Große hat im Capitulare de villis vel curtis imperii, in seiner für den Gartenbau wertvollen Landgüterverordnung, die Pflanzung von Walnussbäumen befohlen. So hat sich der Walnussbaum auch bei uns verbreitet. Das Walnussöl war Brennstoff für das ewige Licht in den Kirchen. Hin und wieder stößt man auf den Hinweis, dass Walnüsse Kopfschmerzen verursachen. Das könnte am Gehalt an biogenen Aminen, speziell Spermin und Serotonin, liegen. In der Klosterheilkunde findet man seit Jahrhunderten Aufzeichnungen über die „eingemachten unzeitigen welschen Nüsse“ als Mittel bei Magenkrankheiten. Auch im bayerischen „Sachranger Rezeptbuch“ ist die magenstärkende Wirkung der grünen Walnuss vermerkt, ebenso das Walnussblätterpulver, das bei Hautleiden aufgelegt wurde.

Inhaltsstoffe und Wirkung: „Der Walnussbaum gehört vor das Schlafzimmerfenster“, erzählen uns kräuterkundige Saalachtaler. Der in unserer Nase so wunderbare und intensive Duft der Blätter vertreibt Insekten. Die Walnussblätter werden getrocknet, in einen Polsterüberzug gefüllt und ins Schlafzimmer von Neurodermitikern gelegt. Der Raum füllt sich mit dem Duft von ätherischem Öl, das Hautausschläge lindert. Die Pinzgauer schätzen auch das Walnussblätterbad für irritierte Haut. Sie kochen die Walnussblätter mindestens eine Viertelstunde und setzen den Absud dem Badewasser zu. Dieser Absud wirkt auch schweißhemmend und empfiehlt sich deshalb für Fußbäder. „Für ein gutes Aussehen soll man täglich morgens und abends eine Tasse Minztee mit Welschnussblättern trinken“, erzählt man sich im Salzburger Land. Die unreifen grünen Walnüsse und die Blätter enthalten besonders viel Hydrojuglonglykosid, einen ungiftigen und farblosen Inhaltsstoff. Durch Abspaltung des Kohlenhydratbausteins entsteht das unstabile Hydrojuglon, das schnell zu Juglon oxidiert. Juglon reagiert gerne, ist relativ giftig und bildet einen intensiv braunen Farbstoff. Blätter und grüne Nüsse liefern die schöne dunkelbraune Pflanzenfarbe, die Haare, Seide, Holz und natürlich auch unsere Hände gut färbt. Chemisch gesehen ähnelt das Juglon dem Naturfarbstoff Henna. Der Wirkstoff Juglon wird auch als Sonnenschutzmittel (Tiroler Nussöl) genutzt. Wenn man eine Walnuss knackt und das Fruchtfleisch vorsichtig im Ganzen herauslöst, glaubt man ein kleines Gehirn in Händen zu halten. Aufgrund dieser Ähnlichkeit haben unsere Ahnen die Walnuss als Gehirnnahrung eingestuft. Tatsächlich bringt die Walnuss viele Omega-3-Fettsäuren mit und macht die Zellmembranen elastisch. Das beschleunigt die Signalübertragung beim Denken.

Heilanwendung: Im Mai beginnt die Zeit der Walnussanwendungen. Die jungen, zarten braunroten Blätter können schon bald nach dem Austreiben geerntet werden und als Tee, alkoholischer Ansatz, Bad oder Duftkissen gegen eine irritierte Haut verwendet werden. Später gegen Johanni sind die grünen Nüsse groß genug und trotzdem innen noch weich, gerade richtig für einen guten Magenschnaps. Auf die reifen Walnüsse müssen wir noch bis Herbst warten. Die Walnüsse schmecken roh und unbehandelt oder als kaltgepresstes Öl am besten.

Walnusslikör
Rezept von Christina Grünauer, Unterwegs Kräutergartl in Adnet (Salzburg)
Zubereitung:
5 grüne Nüsse in Scheiben schneiden (mit Handschuhen), mit 1 Liter Korn in einem Schraubglas ansetzen, 4 Gewürznelken und Zimtrinde zugeben, 100 g Zucker einrühren, bei Zimmertemperatur 4 bis 5 Wochen ziehen lassen, öfter schütteln, abseihen, im Keller nachreifen lassen.