Servus  Vom Stroh zum Simperl   Foto: Marco Rossi Foto: Marco Rossi
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Korbflechter aus dem Mühlviertel

Vom Stroh zum Simperl

Wenn Karl Weinzinger nicht gerade zum Tarockieren gebraucht wird, dann flicht er im Mühlviertel schöne Körbe aus Stroh und Weidenruten.

Auch wenn Karl Weinzinger bereits 84 Jahre alt ist, so ist sein Blick immer noch flink. Zwischen seinen Fingern dreht er ein Bündel Stroh, wie er es schon unzählige Male getan hat. Wie oft, weiß er nicht mehr, half er doch schon als Bub mit, wenn der Vater Körbe aus Stroh und Weidenruten flocht. Noch ist nicht viel zu sehen vom späteren Simperl oder Körberl. Denn der Anfang ist immer am schwierigsten, wenn sich das widerspenstige Stroh zu einem glechmäßigen Rund für den Boden legen soll. Zunächst braucht es für das Simperl Roggenstroh und Weidenruten. Schon lange, feine Getreidehalme sollten es sein, doch die seien heute kaum mehr zu bekommen, sagt Karl Weinzinger. Aber am eigenen Hof in Windhaag wird der Korbflechter immer fündig. Die Weidenruten dafür müssen bis zum beginnenden Frühjahr geschnitten werden, denn später werden sie zu spröde für die Verarbeitung.

Bevor er sich an die Arbeit macht, muss Karl Weinzinger die Weidenruten spalten. Mit sicherer Hand führt er das Messer und teilt die Ruten in Fäden, die die Körberl später zusammenhalten. Dann spannt er die Ruten über sienen Oberschenkel und schabt sie aus, bis sie geschmeidig sind. Bevor er große Aufträge annimmt, wie zum Beispiel Bienenkörbe, trifft er sich heute lieber mit seinen Freunden zum Tarockieren. Für die Münzen, die beim Kartenspiel die Runde machen, hat er extrakleine Körbe geflochten – nicht viel größer als eine Untertasse. Und die gibt es jetzt in jedem Wirtshaus der Gegend.

Karl Weinzinger
Oberpaßberg 6
4263 Windhaag bei Freistadt
Tel.: +43/664/587 35 16

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