Veronika Wurm

Seifensiederin, Handwerkskunst, Oberbayern
Veronika

Starke Stücke

Hier ist die Seife, die sich gewaschen hat. In ihr steckt die Kraft von zehntausend Jahren. Sie kommt aus dem Moor im Ammergauer Land. Ein Kunststückchen von Veronika Wurm. Erschienen in Ausgabe: Juni 2014
Veronika Wurm, 38, aus Saulgrub hat fünf Kinder. Da weiß sie natürlich, was eine gute Seife ist. Das war ihr nicht genug. Die Geschichte ihrer Seife beginnt vor zehntausend Jahren: Die abschmelzenden Gletscher bilden kleine Seen, die nicht abfließen. Vom Ufer wachsen Schilf, Weiden und Erlen vor, die sich nach dem Absterben nicht zersetzen, sondern im sauerstoffarmen Wasser konserviert werden. Darauf siedeln sich wiederum Torfmoose und Bergkiefern an. Wenn deren Lebenszeit endet, können sie in dem stehenden Gewässer nicht verfaulen, sie vertorfen. Heute gibt es im Hochmoor um Bad Kohlgrub nur noch wenige Besitzer, die auf ihren Parzellen Moor stechen dürfen. Einer ist Hotelier Anton Gundlfinger, 52. „Früher stach man Torf, um zu heizen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts darf unser Torf nur noch für medizinische Zwecke verwendet werden.“ Und Seife aus Torf gehört irgendwie dazu. Genau hier kommt Veronika Wurm wieder ins Spiel. Sie ist gelernte Floristin. Aber der Gedanke an das Moor und seine speziellen Heilwirkungen hat sie nie losgelassen. In Südfrankreich, in der Provence, atmete sie den Duft von Lavendel – und mit dem Duft kam eine Idee: Ich mache eine Seife, die ein Pflegeprodukt ist. Ich mache eine Seife mit der Kraft vom (geruchlosen) Torf, raffiniert gemischt mit den Düften meiner bayerischen Heimat. Sie stieg um auf Seifensiederin. Und Anton Gundlfinger, der Torfstecher, beliefert sie mit dem Rohstoff aus der Schatztruhe Moor. In ihrer kleinen Seifensiederei stehen: eine alte Waage, eine alte Kaffeemühle, zwei Herdplatten und wandhohe Regale.

Erster Schritt. Veronika zerkleinert mit ihrer Kaffeemühle die Moorbriketts. „Sehr feinkörnig –genauso, wie ich es haben will.“ Zweiter Schritt. Am Herd brodelt ein Gemisch aus Pflanzenfetten, unter anderem Kakaobutter, Palmöl. Dritter Schritt. Sie mischt Lauge an, schüttet Pulver in kaltes Wasser. Beim Erwärmen zischt es wie in einer Hexenküche. Vierter Schritt. Beide Flüssigkeiten, die Fette und die Lauge, müssen zusammengebracht werden. Eine knifflige Sache. „Beide Substanzen brauchen dieselbe Temperatur, zwischen 50 und 60 Grad. Sonst verbinden sie sich nicht, was sie aber müssen. Da hab ich schon so manche Nachtschicht eingelegt. Lauge und Fette müssen sich die Hand geben.“ Bis zu anderthalb Stunden rührt sie geduldig. „Stimmt die Mixtur nicht, wird’s nichts Gscheits. Die Seife wird schnell schlecht oder sie löst sich zu schnell auf.“ Fünfter Schritt. Sie mischt der hellen Masse, die nicht mehr so heiß ist, ein paar Tropfen von dem ätherischen Bergkiefernöl zu. Das gibt den Duft.

Sechster Schritt. Der große Moment für den Torf. Löffel für Löffel hebt Veronika das frische Pulver unter die Seifenlauge. Nach und nach färbt sich die Mixtur schwarz. Sieht schon seltsam aus, eine Seifensubstanz, die schon vor dem allerersten Gebrauch schwarz ist. Siebter Schritt. Veronika Wurm gießt die flüssige Seife in Holzmodel. Die Formen werden in Tücher und Wolldecken gehüllt. Drei Tage „schläft“ die Seife, bis sie fest ist und gestürzt werden kann. Achter Schritt. Immer wieder misst Veronika den pH-Wert. „Noch einen Monat muss ich warten, bis der gewünschte Wert erreicht ist, ein Basenwert von 7 bis 8. Einen Monat dauert es auch, bis die natürlichen Wirkstoffe ihre volle Kraft entfalten.“ Neunter und letzter Arbeitsgang. Die wertvolle handgefertigte Moorseife wird in Scheiben geschnitten. „Meine Seife ist reich an rückfettenden Substanzen.“

Seifenmanufaktur Veronika Wurm
Oberbayern, DE
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